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Trotz manchen Alters...


Hand aufs Herz: Manchmal können die Kleinen für Eltern oder andere Betreuungspersonen wirklich anstrengend sein; beispielsweise wenn sie gerade plötzlich anfangen zu trotzen oder sich mit einer unglaublichen Energie gegen die Erwachsenen durchsetzen wollen.
Die meisten Trotzanfälle haben Kinder im Alter von 2-4 Jahren. In diesem Alter treten die Wutausbrüche ziemlich oft, intensiv und in kurzen Zeitintervallen auf, fast immer ohne Vorwarnung und ohne ersichtlichen Grund. Sie können in ihrer Starke und ihrer emotionaler Ausprägung sehr unterschiedlich ausfallen. Beginnend von einem sturen “Nein!” oder „Ich will!“ bis hin zum hysterischen Geschrei. Manchmal kann es auch zu körperlichem Einsatz, wie treten, kratzen und schlagen kommen.
Doch ein Trotzanfall ist nicht nur für die Erwachsenen anstrengend, sondern auch für die Kinder selbst, weil er dem Kind viel Kraft kostet. Durchaus vergleichbar ist diese Situation mit einem Kurzschluss: Große Mengen aufgestautem Ärger und Frust entladen sich blitzschnell mit hohem Druck. Diese explosionsartige Entladung können Kinder selbst kaum noch kontrollieren, da intensive Gefühle wie Zorn, Wut oder Angst sie übermannen.

Warum verhalten sich die Kinder so? Zuerst muss man sich im Klaren sein, dass trotzen oder widersprechen für die Kinder ganz natürlich ist. Bei den Kleinkindern im Alter von 2-4 Jahren gehört das zu der Bildung der Persönlichkeit eines Menschen. Kinder können schon sehr früh begreifen, dass sie ein Individuum mit einem eigenen Willen sind und dass dieser sich manchmal von dem Willen anderer unterscheidet. Hinzu kommt das zunehmende Streben nach Selbständigkeit.
In diesem Alter („Trotzalter“) lernen Kinder Vieles, was für die Persönlichkeitsbildung unabdingbar ist: mit den eigenen Gefühlen umzugehen, mit Stresssituationen klar zu kommen und sich der eigenen Grenzen bewusst zu werden. Ohne diese wichtigen Eigenschaften wäre ein Miteinander in der Gesellschaft schwerlich zu meistern.
Da in früherem Kindesalter die sprachlichen und motorischen Fähigkeiten noch nicht ausreichend entwickelt sind, um sich verbal auszudrücken, setzen Kinder ihren Willen mittels ihrer bereits vorhandenen Fähigkeiten um: schreien, heulen, bocken und toben.
Wenn Kinder anfangen zu trotzen, können Erwachsene ihnen nichts mehr Recht machen.
Ob argumentieren, diskutieren oder maßregeln – nichts scheint zu helfen. Meist stehen die Erwachsenen dem ratlos gegenüber und wissen nicht, wie sie auf das Kind eingehen sollen. Überforderung zeichnet sich ab.

Man muss als Mutter oder Vater lernen, wie mit einem „wütenden“ Kind umzugehen ist. Eltern sollen auf keinem Fall die Wutausbrüche ihres Kindes persönlich nehmen. Wichtig ist, Ruhe zu bewahren, abzuwarten, bis der Trotzanfall vorbei ist und anschließend darüber zu reden.

Das trotzige Verhalten und die Wutausbrüche in früherem Kindesalter sind noch lange kein Zeichen schlechter Erziehung. So gut wie jedes Kind in diesem kleinkindlichen Alter durchläuft so eine Trotzphase, die, wie bereits erwähnt, ein wichtiger Teil der individuellen Persönlichkeitsbildung ist. Um das Kind vernünftig durch diese Phase begleiten zu können, sollten Erwachsene immer zwei Aspekte beachten:

1. Das Trotzverhalten des Kindes geht nicht gegen sie als Person, sondern ist lediglich das Streben des Kindes nach Autonomie und Selbstbestimmung.
2. Selbstkontrolle und einen kühlen Kopf zu bewahren ist die Maxime, denn der Wutausbruch ist mit einem Gewitter zu vergleichen: zieht schnell auf, aber auch wieder ab!

Feste Regeln und das Aufzeigen von Grenzen helfen dem Kind, da sie einen Rahmen der Sicherheit schaffen. Einmal ausgelotet, müssen sich Erwachsene und Kinder daran halten. Gibt man einmal nach, weiß das Kind, wie sich der eigene Wille ertrotzen lässt und der nächste Anfall wird nicht lange auf sich warten lassen.

Bei uns in der Klinik Alpenhof wird der „Umgang mit trotzigen Kindern“ von verschiedenen Seiten betrachtet: Zum einen durch unsere Psychologen im Rahmen der Anwendungen zum Thema Erziehung; als Einstieg dient der Film „Wege aus der Brüllfalle“. Zum anderen wird in der Einführungsveranstaltung Grundlegendes vermittelt und im Laufe der Kurmaßnahme Übungen zum Thema Erziehung angeboten. Gegebenenfalls werden die Eltern auch in Einzelgesprächen hinsichtlich der individuellen Familien-Problematik beraten.

Alles in allem lassen sich frühkindliche Trotzanfälle schwerlich vermeiden. Der Umgang damit ist entscheidend! Bei älteren Kindern kann man dies schaffen, indem sich die Eltern konsequent an ihr - auch während der Mutter/Vater-Kind Maßnahme in der Klinik erarbeitete - Erziehungskonzept halten.

Viel Erfolg und starke Nerven
wünscht Ihnen

Dmitri Moin
Kinderarzt & Oberarzt
Klinik Alpenhof