Hautpflege bei Babys, Kindern und Jugendlichen

Heute leben wir heute etwa doppelt so lang als am Beginn des 20. Jahrhunderts. Trotzdem haben wir auf diesem langen Lebensweg nur eine Haut mitbekommen. Damit wir lange Freude an ihr haben, bedarf sie einer besonderen Pflege, die auch zur Prophylaxe von Alterungserscheinungen und Hautkrebs beiträgt.

Durch jeden Kontakt unserer Haut mit Wasser werden Fette aus der Hornschicht ausgelaugt. Dadurch passiert erst einmal wenig. Nach und nach wird jedoch die Barrierefunktion der Haut (abhängig vom Hauttyp mehr oder weniger rasch) ganz erheblich gestört. Die Haut verliert mit dem Fett ihre Fähigkeit zur Feuchtigkeitsbindung. Sie wird trocken, ist in ihrer Schutzfunktion gestört und kann schädigenden Einflüssen der Umwelt immer weniger standhalten. Als Folge davon wird die Haut schuppig, beginnt zu jucken und neigt zu Ekzemen.

Das kollidiert geradewegs mit der heutzutage üblichen Duschkultur: viele Menschen duschen zumindest einmal täglich, Sportler – davon sind Hobbysportler nicht ausgenommen - duschen bis zu dreimal täglich. Bedeutet das Hygiene versus Hautgesundheit? Nein, keineswegs! Wir müssen nur das Bewusstsein für eine gesunde Haut wecken! Denn, was herausgelaugt wird, ist zwar vorerst verloren, kann aber durch die regelmäßige Anwendung von Pflegeprodukten zurückgegeben werden. Idealerweise wenden Sie dafür Öl-in-Wasser-Emulsionen an, die auf den Hauttyp abgestimmt sind – reichhaltigere Produkte für den trockenen Hauttyp und leichtere für eine normale und talkreiche Haut. Dies gilt für alle: Frauen, Männer und vor allem Kinder, deren Haut - vor allem bei atopischer Konstitution (Neurodermitis) - besonders empfindlich ist.

Was können Sie in der täglichen Hautpflege besser machen?

  1. Die Wassereinwirkzeit reduzieren: Das soll kein Aufruf zu mangelnder Körperhygiene sein, aber dazu anleiten, nur kurz und eher lauwarm zu duschen und lange Vollbäder zu meiden. Vor allem für Babys und Kleinkinder gilt: nicht öfter als zweimal wöchentlich ins Wasser. Am Abend nach einem Badetag mit ausgedehntem Plantschen und Schwimmen sollten Chlor und Salz abgeduscht werden. Nach Sonnenexposition eignet sich idealerweise eine Lotion mit beruhigenden/antioxidativen Inhaltsstoffen wie Aloe vera, Vitaminen oder Reparaturenzymen.
  2. Echte Seife weglassen: Seifen, (chem.) Alkalisalze von Fettsäuren, senken die Oberflächenspannung von Wasser und haben fettlösende Eigenschaften. Das mag sich in der Küchenreinigung bewähren, hat aber auf der Haut nichts verloren. Das heißt, auch wenn wir uns wirklich schmutzig fühlen, sollten zur Körperpflege ausschließlich „seifenfreie Seifen“ (Detergenzien) verwendet werden und von solchen idealerweise pH-neutrale, um den Säureschutzmantel der Haut nicht zu irritieren. Zu beachten ist der unvermeidliche Kontakt mit derartigen Seifen, z. B. im Haushalt, was wiederum eine besondere Pflege von „Hausfrauenhänden“ verlangt.
  3. Zusatzstoffe können die Pflegewirkung verbessern: Noch besser als schlichte Öl-in-Wasser-Emulsionen eignen sich Produkte mit einem kleinen Anteil an Urea. Dieser verbessert das Eindringen in die Haut, verringert das klebrige Gefühl nach dem Auftragen, verbessert die Feuchtigkeitsbindungsfähigkeit und wirkt außerdem bakterizid.

Warum sind Hautpflegeprodukte für das Gesicht anders als für den Körper?

  1. Umweltkontakt: Gesichtshaut (Das gilt auch für die Haut an den Handrücken.) ist während des Lebens ununterbrochen mit der Umwelt in Kontakt. Deshalb müssen Pflegeprodukte für diese besonders beanspruchten Hautpartien ganz besonders sorgfältig zusammengesetzt sein. Die Anwendung einer blanken Öl-Wasser-Emulsion ist zwar besser als gar keine Pflege, aber man kann mehr bewirken als Fett und Feuchtigkeit zu spenden.
     
  2. Lichtschutz: Nicht nur gleißendes Sonnenlicht im Süden wirkt kumulativ schädigend auf die Haut, sondern auch Tageslicht, da es ebenfalls einen UV-Anteil hat. Tagespflegeprodukte sollten deshalb einen UV-Filter beinhalten, um die tagtägliche UV-Dosis, die auf exponierte Hautregionen einwirkt, zu reduzieren. Alle Produkte mit SPF > 10 macht Sinn, denn das filtert 90 % des UV-Lichts ab. Höhere SPF sind noch besser. Gerade Kinder sind besonders der UV-Strahlung ausgesetzt. Bereits im Kindesalter entstehen die Grundvoraussetzungen für rund 80 % der späteren Sonnenschäden vor dem 18. Lebensjahr. Epidemiologischen Daten zufolge gibt es eine deutliche Zunahme der akuten Lichtunverträglichkeitsreaktionen und chronischen Lichtschäden der Haut. Die Gründe für die steigende Inzidenz von polymorphen Lichtdermatosen sind die noch schwach ausgeprägten Schutzmechanismen der dünnen Kinderhaut, das elternseits vermittelte Expositionsverhalten sowie Sonnenschutzpräparate mit zu niedrigem Lichtschutzfaktor (LSF), die keine lückenlose Absorption im gesamten UVA/UVB-Spektrum gewährleisten. Dies gilt vor allem für die empfindliche Haut von Säuglingen und Kleinkindern, die besonders dünn ist, keinerlei UV-Eigenschutz besitzt und deren Reparaturmechanismen noch nicht ausgebildet sind. Erst langsam, ab dem zweiten Lebensjahr, entwickeln sich Mechanismen wie Pigmentierung und Hornhaut. Erst mit etwa 12 Jahren ist die Haut von Kindern mit der Haut von Erwachsenen vergleichbar. Bis dahin beträgt der UV-Eigenschutz nur 5-10 Minuten. Nach diesem Zeitfenster droht bereits ein Sonnenbrand! Viele Eltern überschätzen allerdings den Bedarf an Sonne für ihre Kinder maßlos. Für die ausreichende Vitamin-D-Biosynthese, bei der Vitamin D2 und D3 produziert wird, genügen täglich 15 Minuten indirektes Licht. Konsequent gelebter Lichtschutz kann die kumulative UV-Dosis im Laufe des Lebens drastisch minimieren und lichtinduzierte Schäden (Altersflecke, Falten) sowie das Auftreten von Hauttumoren (Basaliome, aktinische Keratosen und Plattenepithelkarzinome) um Jahre hinauszögern, wenn nicht sogar verhindern. Sonnenschutzgegnern zugunsten des Vitamin D sei mitgeteilt, dass die Rest-UV-Wirkung, die wir trotz Verwendung von Schutzmitteln konsumieren, auf jeden Fall ausreicht, um Vitamin-D-Vorstufen in wirksames Vitamin D umzuwandeln, und konsequenter Sonnenschutz nicht zu Rachitis führt. Dies wurde in klinischen Studien bewiesen.
     
  3. Reichhaltigkeit: die Reichhaltigkeit eines Gesichtspflegeprodukts ist abhängig vom Hauttyp: fettige, zu Unreinheiten neigende Haut verträgt mehr Feuchtigkeit, trockene, empfindliche Haut mehr Öl-Anteil. Wichtig ist es, die Produkte auf den Hauttyp abzustimmen. Zu fette Pflege im Gesicht kann akneiforme Eruptionen auslösen und Akne verschlechtern. Bei Kindern sollte grundsätzlich im Gesicht eine feuchtigkeitsbetonte Pflege verwendet werden. Am Körper sollte eine reichhaltigere Feuchtigkeit genutzt werden. Feuchtigkeitsspendende/bindende Substanzen, wie Glycerin und Hyaluronsäure, verbessern den Pflegeeffekt und lassen die Haut „saftiger“ aussehen.