Völlig unterschätzt: Ruhe und Entspannung

Wir unterschätzen, wie viel Zeit wir für uns brauchen. Entspannung senkt den Stress und sorgt für ein starkes Immunsystem.

Wer mit mehr Ruhe und Gelassenheit durchs Leben gehen will, braucht einen starken Verbündeten: Den Parasympathikus. In Zeiten von Smartphones, E-Mails und 24 Stunden Erreichbarkeit geraten Ruhe und Entspannung immer mehr in Vergessenheit. Dann werden in der alltäglichen Hektik nicht einmal mehr die Warnsignale des eigenen Körpers erkannt, um rechtzeitig einen Gang runterschalten zu können. Sich Pausen zu setzen und einfach einmal nichts zu tun, muss für viele erst wieder "neu" erlernt werden.

Stress und Anspannung sind auf Dauer belastend für den Körper. Er benötigt zwischendurch Entspannungsphasen zur Regeneration. Unter Stress werden Hormone wie Adrenalin, Dopamin und Cortisol ausgeschüttet, das sympathische Nervensystem wird aktiviert. Früher war dieser Anstieg überlebensnotwendig, um auf der Flucht, auf der Jagd oder im Kampf alle Energie zum Überleben zu nutzen. War die Gefahr überstanden, konnte sich der Körper wieder entspannen, das parasympathische Nervensystem wurde aktiviert, die Stresshormone wieder abgebaut.

Parasympathikus und Sympathikus sind zwei wichtige Gegenspieler des vegetativen Nervensystems, das nahezu alle lebensnotwendigen Abläufe im menschlichen Körper reguliert. Der Sympathikus sorgt dafür, dass wir aktiv und leistungsbereit sind, dass sich die Herzfrequenz, die Atmung und der Adrenalinspiegel erhöhen. Der Parasympathikus wirkt dem entgegen, sobald der Körper zur Ruhe kommt. Durch ihn werden vorwiegend Körperfunktionen innerviert, die der Regeneration des Organismus und dem Aufbau von Energiereserven dienen.

In der heutigen Zeit wird man vor Säbelzahntigern wohl kaum noch flüchten müssen. Stattdessen entsteht heute Stress aufgrund von permanentem Zeitdruck, dem täglichen Arbeitspensum und in der Erwartung, ständig Leistung bringen zu müssen. Reizüberflutung, Leistungsdruck und Freizeitstress gehören heute nicht nur für Erwachsene zum Alltag, sondern stellen auch für unsere Kinder eine enorme Belastung dar. Viele von ihnen leiden unter ähnlichen Stresssymptomen wie die Eltern. Dieser Stress ist jedoch nicht nur temporär und eine Notfallsituation, sondern hat sich bereits zum Dauerzustand entwickelt. Das Problem ist, dass auf die Ausschüttung der Stresshormone in den seltensten Fällen die nötige körperliche Aktivität folgt, um diese Hormone dann schnellstens wieder abbauen zu können. Das führt langfristig zu gesundheitlichen Problemen, wie z. B. Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen, Schlafstörungen, inneren Unruhezuständen, Konzentrationsschwächen und Schwächung des Immunsystems.

In unserer schnelllebigen Zeit sind immer mehr Menschen auf der Suche nach natürlichen Entspannungsmitteln jenseits homöopathischer oder gar chemischer Substanzen. Entspannungstechniken, zum Beispiel autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können helfen, wieder zu mehr Ruhe und Gelassenheit zu finden. Die Übungen lösen eine Reaktion im Nervensystem aus, der Parasympathikus wird aktiviert, die Aktivität des Sympathikus nimmt ab.

Schon wenige Minuten dieser Entspannungsübungen können Großes bewirken. Kurze Entspannungseinheiten lassen sich selbst im hektischen Alltag integrieren.

Manche Menschen stehen dafür 20 Minuten früher auf, andere verzichten 20 Minuten lang auf einen Teil des abendlichen Fernsehprogramms. Der Lohn für diesen Einsatz ist nicht nur das entspannte Wohlgefühl nach der Übung. Wir können dadurch Stress langfristig entspannter, kreativer und gesünder bewältigen.

Lernen Sie in unserer Mutter/Vater-Kind Klinik Entspannungsmethoden kennen!

In unserer Klinik bieten wir als Ergänzung zu den klassischen Entspannungsmethoden autogenes Training und progressive Muskelentspannung auch Kurse in Atemwahrnehmung, Klangschalenmassage und Yoga. Das Verfahren der progressiven Muskelentspannung ist sehr leicht zu erlernen und eignet sich auch für Menschen, denen es schwerfällt, ganz ruhig zu liegen. Eine Muskelgruppe kann sehr effektiv entspannt werden, wenn man sie vorher willkürlich anspannt. „Progressiv“ bedeutet „fortschreitend“. Es werden einzelne Muskelgruppen nacheinander angespannt und wieder lockergelassen. Man macht sich den Effekt zunutze, dass die Entspannung von Muskelgruppe zu Muskelgruppe übertragen wird, worauf weitere Entspannungsprozesse im gesamten Körper folgen.

Autogenes Training ist ein auf Autosuggestion basierendes Entspannungsverfahren und zielt auf eine Beeinflussung des Körpers und der Psyche ab. Man beginnt mit den sogenannten Grundübungen, wobei man lernt, einen Zustand von Ruhe, Schwere und Wärme herzustellen. Das führt zu einem leichten Trancezustand, der dem des Einschlafens ähnelt.

In diesem tiefen Entspannungszustand des autogenen Trainings sind Körper und Geist besonders empfänglich für Suggestionen. Man ist in der Lage, direkt mit seinem Unbewussten zu kommunizieren, mittels sogenannter Vorsatzformeln, z. B.: „Ich bin ruhig und gelassen“, „Ich fühle mich von Tag zu Tag besser“, „Ich trete selbstbewusst und natürlich auf“, „Nur Mut, dann schaffe ich das“, „Ich bin es wert, dass es mir gut geht“ etc.

Jeder Mensch hat durch die Kraft seiner Gedanken und Überzeugungen die Möglichkeit, sein Leben gesünder und positiver zu gestalten. Wie viele unserer Gedanken sind aufbauend und inspirierend, wie viele destruktiv und pessimistisch?

Gedanken beeinflussen unsere äußere Realität. Unser Denken steht in enger Wechselbeziehung zu unserem Fühlen, Erleben und Handeln und hat Einfluss auf unser gesamtes Leben. Von besonderer Bedeutung sind die Gedanken über uns selbst, die sich zu Glaubenssätzen verfestigt haben. Das sind tief verankerte Überzeugungen, die sich durch unsere Erfahrungen, Erziehung oder gesellschaftliche Prägung im Unterbewusstsein festgesetzt haben und von dort aus wie ein persönlicher Filter der Realität wirken. Was wir uns zutrauen oder erreichen können, wo wir unsere Stärken und Schwächen sehen – das wird wesentlich von unseren Glaubenssätzen beeinflusst. Autogenes Training kann dabei helfen, neue, positive Glaubenssätze in uns zu verankern.

Fangen Sie also an, wertschätzend, aufbauend und positiv über sich zu denken. Beginnen Sie damit, sich selbst ein guter Freund zu werden und gönnen Sie sich ab und an Momente der Ruhe und Entspannung.